Donnerstag, 7. September 2017

Vorgestellt: TSG Öhringen


Aus meiner Sammlung: Nadel der TSG Öhringen
In der Reihe "Vorgestellt" geht es heute in den "hohen Norden". Im Nordosten des württembergischen Verbandsgebiets schlummert ein fußballerischer Riese. Zugegeben: ein kleiner Riese. Kenner aus dem Hohenlohischen werden über meine Einschätzung vielleicht lächeln. Welchen Stellenwert hat denn schon Fußball in Hohenlohe? Und doch sagt mir mein Bauchgefühl, dass die TSG Öhringen ein Verein mit Potenzial ist. Stand man früher in der Stadt der Landesgartenschau 2016 immer im Schatten von den großen Nachbarn VfR Heilbronn und Union Böckingen, so zeigt aber auch das positive Beispiel TSV Ilshofen, dass die Region Hunger nach gutem Fußball hat. Öhringen gehört bei den Zuschauerzahlen nicht zu den Schwergewichten der Region. Das sind traditionell eher Friedrichshall, Marbach, Ludwigsburg oder Untermünkheim. In der knapp 23.000 Einwohner zählenden Stadt konkurriert man mit zahlreichen anderen Sportarten, und das Publikum reagiert auf sportliche Talfahrten mitunter launisch.

1848: Frisch, Fromm, Fröhlich, Frei!


Alte Turnhalle von 1889
Foto: Markus Hassler, CC-Lizenz 3.0
Die Wurzeln der TSG liegen im Turnen. Mit seinen knapp 3.500 Einwohnern wurde am 1. Mai 1848 von 22 jungen Männern der Männerturnverein ins Leben gerufen.
Turnen wurde damals noch häufig unter freiem Himmel ausgeübt. Hauptaugenmerk im Verein lag jedoch auf eine Sportstätte für die Herbst- und Wintermonate.
1889 war es dann soweit. Für insgesamt 25.000 Mark konnte die heutige "Alte Turnhalle" eingeweiht werden.
Der Männerturnverein blühte auf, nahm 1903 sogar eine Damenriege auf.
1924 wurde innerhalb des MTV eine Handballabteilung gegründet. Handball, das war zu jener Zeit neben Faustball die einzige Ballsportart, die die Turner akzeptieren konnten. Die Gegensätze zwischen Turnen und Fußball waren enorm und führte dazu, dass es 1924 zur sogenannten "Reinlichen Scheidung" kam.

1908 : Der Fußball kommt (endgültig) nach Öhringen


Ziemlich früh findet der Fußball Einzug im Sportkalender der Stadt Öhringen. 1908 wurde der Hohenloher Sportverein Öhringen mit dem prägnanten Kürzel HSV gegründet, der sich dem runden Leder als Hauptbeschäftigung annahm. Dabei hatte bereits im Jahr 1903 eine Gruppe junger Balltreter einen Hohenloher Fußballklub gegründet, der jedoch nicht lange am Leben blieb. Auch die Hoffnung, die Fußjagd nach dem runden Leder als eigenständige Abteilung im MTV ausüben zu können, zerstob alsbald, so dass es schließlich zu eigenen und letztlich erfolgreicheren Gründung eines Fußballvereins kam, der jedoch auch noch Leichtathletik, Wandern und Schwimmen im Programm hatte.

Der Hohenloher Sportverein Öhringen im Gründungsjahr 1908
Berücksichtigt man, dass Öhringen seit 1848 durch die Auswanderungswellen nach Amerika hohe Bevölkerungsverluste zu verzeichnen hatte und erst einige Jahre zuvor wieder die Einwohnerzahlen von 1861 erreichte, eine durchaus beachtenswerte Gründungszeit für eine 3.800-Einwohnerstadt. Zum Vergleich: im deutlich größeren Schwäbisch Hall erfolgte die Gründung 1911, in der Eisenbahnerstadt Crailsheim erst 1919.

Für die unglaubliche Summe von 10.000 Mark (das entspräche heute einer Kaufkraft von ca. 101.000 Euro) erwarb der HSV 1911 ein Gelände am Pfaffenmühlenweg und baute es zu einem Fußballplatz aus. Heute steht dort die Karl-Huber-Halle.

In den wenigen spärlichen Tabellen aus der Kaiserzeit taucht der Verein indes nirgends auf, soll heißen, einen Sprung in höhere Spielklassen ist den Kickern nicht gelungen. Kunststück, traten die Öhringer bis 1912 ausschließlich in Freundschaftsspielen an, ehe sie in der untersten Spielklasse des Süddeutschen Verbands sich im Punktspielwettbewerb maßen.. Fußballerisches Nonplusultra war damals schon das ca. 25 km entfernte Heilbronn, dass mit mehreren Clubs dominierte. Wie andernorts auch kam mit dem "Augustfieber" 1914 und dem blutigen Weltkrieg der Fußball in Öhringen zum erliegen.
Vereinswappen HSV Öhringen

Auch in der Zeit der Weimarer Republik taucht der Club höherklassig nirgends auf. Hohenlohe ist ist meinem Fußballarchiv nun leider doch eher "Neuland". Am 15. März 1919 schlossen sich die vom Weltkrieg ausgebluteten MTV und HSV zum Männer-Turn- und Sportverein zusammen, jedoch wurde im Rahmen der sogenannten "reinlichen Scheidung" diese Ehe bereits wieder 1924 geschieden. Im Vereinsregister (der heutigen TSG) steht der 26. Juni 1924 als Eintragungsdatum des "e. V.". 1925 wurden MTV und HSV Nachbarn, nachdem die Turner ein benachbartes Grundstück erwarben. Das war auch dringend notwendig, denn seit dem Vorjahr betrieb man im MTV Handball, und Handball war damals ein Rasensport. Die Fußballer errichteten 1927 noch ein Sporthaus, von größeren Taten läßt sich leider nicht berichten.

1934: die TSG Öhringen entsteht


Mit seinen knapp 4.500 Einwohnern war Öhringen nicht groß genug für mehrere Sportvereine. So zumindest die damalige Politik der Nationalsozialisten, die auch hier "eine Stadt - ein Verein" durchsetzten. In einer Hauptversammlung am 16. September 1933 wurde die Vereinigung beider Vereine beschlossen - die letzte Entscheidung, die noch aus demokratisch-vereinsrechtlichen Wurzeln entschieden wurde. Aus Turnern und Fußballern entstand so mit Wirkung zum 1. Januar 1934 die Turn- und Sportgemeinde Öhringen 1848, und fortan galt bei diesem Verein (wie bei praktisch allen Sportvereinen) das sogenannte "Führerprinzip", wurde entschieden und ernannt statt beschlossen oder gewählt. Fußballerisch taucht der neuentstandene Verein aber auch nicht im "Dritten Reich" wesentlich auf, jedoch scheinen sich die Öhringer in der Bezirksklasse festgefressen zu haben und kreuzten die Klingen mit so Schwergewichten wie Knorr Heilbronn, Lauffen am Neckar, Jagstfeld oder die Reserve von Union Böckingen.

1945 bis 1959: Legendäre Amateurligazeiten


Einher mit einem Bevölkerungswachstum - während des Krieges ließen ausgebombte Ruhrgebietler, nach dem Krieg zahlreiche Heimatvertriebene die Einwohnerzahl auf fast 7.500 Einwohner anwachsen - kam es auch zu einem Aufschwung im Sport.
Nachdem im Juli 1945 zurückgekehrte TSG-Veteranen wieder einen sporadischen Sportbetrieb einrichten konnten, erreichte man alsbald eine Genehmigung durch die US-Behörden und konnte wieder am regulären Spielbetrieb teilnehmen. Am 12. August 1945 - man bedenke: in Ostasien tobte noch immer der 2. Weltkrieg, fielen erst wenige Tage vorher die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki - kam es in Öhringen zum ersten Spiel nach Kriegsende gegen die Kicker von Schwäbisch Hall. Als am 9. Dezember 1945(!) die Saison 1945/46 begann, stolperte die TSG nur einmal beim TSV Crailsheim und zweimal bei den Sportfreunden Hall und spazierte direkt (mit den Hallern) in die drittklassige Bezirksklasse.

Doch damit nicht genug: die TSG leistete sich auch 1946/47 ein spannendes Meisterschaftsduell mit Mitaufsteiger Schwäbisch Hall. Erst der letzte Spieltag am 18. Mai 1947 brachte die Entscheidung zugunsten der TSG, die mit 2:1 beim großen Nachbarn VfR Heilbronn den Meisterlorbeer in Empfang nahm. Ohne Atempause ging es in die Aufstiegsrunde, denn aus 6 Bezirksmeistern mußten 3 Aufsteiger ausgesiebt werden. Neben Öhringen ging auch Normannia Gmünd ins Rennen (leider habe ich hier keine Ergebnisse), und beide stiegen in die zweite Liga, der Landesliga Württemberg, auf. Dritter im Bunde war die SpVgg Renningen. Nicht ohne Stolz berichtet die Vereinschronik, dass durchschnittlich 3.000 Zuschauer die Heimspiele in der 8.000-Einwohner-Stadt besuchten.

In der Saison 1947/48 kam es also zum ersten Ligaduell zwischen Normannia Gmünd und der TSG Öhringen. Die TSG, so kann man sagen, hatte sich in der obersten Spielklasse direkt unter der Oberliga Süd besser behauptet als die Gmünder Normannen. Ein beachtlicher Platz 4 sprang in der Premierensaison heraus, und nur der württembergische Meister Sportvg. Feuerbach ließ den Neuling aus Hohenlohe mit 5:1 und 7:3 (in Öhringen!) ein wenig deutliches Lehrgeld entrichten. Dafür wurde aber Vizemeister VfR Aalen mit 6:1 auf die Ostalb zurückgeschickt. Die TSG stellte gar mit Sturmass Walter Wladek den Torschützenkönig der Saison (20 Treffer).

November 1948: Öhringen zu Gast in Gmünd
Im zweiten Jahr hingegen war es schon wieder vorbei mit der TSG-Herrlichkeit. Im Abstiegsrennen punktgleich mit dem VfL Neckargartach, den die Öhringer im Ligawettkampf Zuhause mit 4:1 bezwangen und Auswärts ein 1:1 abrangen, musste ein Entscheidungsspiel her. Am 26. Mai 1949 erlebten 5.000 Zuschauer in Ludwigsburg - davon ca. 1.000 mit Sonderzug oder Fahrrad aus Öhringen angereist - einen glücklichen 1:0-Sieg der Neckargartacher, die somit in der Landesliga verblieben.
Herausgreifen muss ich an dieser Stelle den 14. November 1948, dem bis dahin letzten Normannia-Heimspiel gegen die TSG Öhringen. Normannia gewann diese Partie mit 4:0, aber es läutete zugleich die Ära der legendären Sing-Elf ein, denn Albert Sing durfte nach einigem Hickhack mit den Stuttgarter Kickers zum ersten mal im Dress der Normannen gegen den Ball treten.

Aber zurück zur TSG.


Diese mußte sich 1949/50 also wieder in der Bezirksklasse Hohenlohe behaupten, wurde direkt wieder Meister, aber scheiterte in der Aufstiegsrunde am VfL Sindelfingen. Ein zusätzliches Relegationsspiel gegen Absteiger SG Untertürkheim ging in Murrhardt mit 1:3 verloren - die TSG blieb zweitklassig. Ab 1950/51 war alles anders im württembergischen Amateurfußball. Nord- und Südwürttembergs Fußballverbände vereinigten sich zum Württembergischen FV (ein Zustand, den Nord- und Südbaden bis heute nicht erreicht haben), und aus der Landesliga Württemberg wurde die 1. Amateurliga. Darunter, u. a. mit der TSG Öhringen, waren fünf Staffeln der 2. Amateurliga angesiedelt. Dort zog in der Premierensaison Traditionsverein VfR Heilbronn einsam seine Kreise, wurde mit 5 Punkten Vorsprung Meister vor dem VfB Sontheim und stieg auch in die 1. Amateurliga auf. Die TSG Öhringen erkämpfte sich einen guten 5. Platz und kam u. a. vom Auswärtsspiel bei der Heilbronner SpVgg 07 mit einem 11:3-Auswärtssieg nach Hause.

In die Geschichtsbücher gingen die TSG'ler darüberhinaus als Pokalfinalist im ersten WFV-Pokal-Endspiel ein. In Schorndorf unterlag man allerdings am 26. August 1951 dem Eisenbahner-Sportclub Ulm mit 0:3.

1951/52 holte sich die TSG eine 0:7-Klatsche beim Aufsteiger SV Neckarsulm, aber auch einen gesicherten 6. Platz.

Im Folgejahr waren die Öhringer gar Herbstmeister, blieben aber am Ende auf der Strecke und mit 5 Punkten Rückstand zu Bad Wimpfen nur auf Platz 3. Dabei erzielten die Rot-Weißen um Bruno Sager, Karl Leistner und Hans Henzler 93 Tore in der Saison 1952/53, wobei die drei Genannten Torjäger mit zusammen 75 Treffern das Gros der Torjubelarien anstimmte.

Platz 9 in der Saison 1953/54 klingt nach gesichertem Mittelfeld, doch tatsächlich spürten die Öhringer das Abstiegsgespenst im Nacken und hatten am Ende nur 3 Punkte Vorsprung zum Absteiger Germania Bietigheim.

Auch 1954/55 verlief alles andere als erfolgreich (Platz 10 mit wiederrum 3 Punkten Vorsprung auf einen Abstiegsplatz), jedoch wurde der Abstieg in der Staffel 2 ausgesetzt, da sowohl der FSV 08 Bissingnen als auc der TSV Oetisheim in die Staffel 1 wechselten. Im WFV-Pokal strich man nach einem 2:1 über den VfL Wangen (Stuttgart) in der 2. Runde bei Schwäbisch Hall die Segel.

Nach dem 11. Platz 1955/56 schien sich die TSG Öhringen im unteren Tabellendrittel dauerhaft einzunisten, kam allerdings 1956/57 nochmals auf Platz 7 vor, auch wenn man in Crailsheim mit 8:0 gerupft wurde. Die Öhringer Cronik vermerkt hierzu: "Daß dies nach einigen Jahren und für einige Jahre die beste Saison der TSG war, sollte sich bald herausstellen".

Gleich 1957/58 rutschte man nämlich bedrohlich in den Abstiegssumpf. Die Sportfreunde Schwäbisch Hall ließ man mit gerade einmal einem Pünktchen Vorsprung hinter sich, ausgerechnet der letzte Spieltag am 4. Mai 1958 führte beide Mannschaften in Öhringen zusammen. 2.500 Zuschauer - sofern sie denn mit dem TSG mitfieberten - bejubelten nach 90 nervenaufreibenden Minuten ein 1:1 und somit den Klassenerhalt der TSG. Ein versöhnlicher Abschluss einer Saison, in der die TSG vom 6. bis zum 22. Spieltag gerade einmal 3 Siege und ein Unentschieden erwirtschaftete.

1958/59 hingegen half kein Wunder und kein Endspiel: ziemlich deutlich mit 15-41 Punkten und damit 7 Punkte hinter dem rettenden Ufer (wo die SG Bad Wimpfen Anker warf), stieg die TSG Öhringen in die A-Klasse Hohenlohe ab. Auswärts gab es gar nur einen Sieg (ein 4:2 bei Mitabsteiger TG Böckingen), schon die Vorrunde schloss man mit 5-23 Punkten am Tabellenende ab.

1960 bis 1978: Auf und Ab


Betriebsunfälle sind dazu da, korrigiert zu werden, und mit Elan ging die TSG Öhringen in die A-Klasse Hohenlohe 1959/60. Am Ende gab es das erste Vereinsdouble: mit beachtlichen 110:30 Toren und 50-10 Punkten (nur 2 Niederlagen hatte man zu verzeichnen) wurde man souverän Meister, und am 18. April 1960 holte man sich nach einem 2:0 gegen den TV Bitzfeld den Bezirkspokal in die ehemalige Hohenlohische Residenzstadt.

Als Wiederaufsteiger in die Staffel 2 der 2. Amateurliga behaupteten sich die Öhringer mit einem 11. Platz, wiewohl der Abstand zu Absteiger VfB Sontheim auch nur beunruhigende 2 Punkte betrug. Die Vorrunde wurde mit 8-20 Punkten schlicht verschlafen, und erst im Endspurt der Rückrunde sicherte man sich endgültig die Klasse. Allerdings brachten die Rot-Weißen das Kunststück fertig, Vizemeister TG Heilbronn jeweils ein Unentschieden (3:3 und 2:2) abzuringen.

Die beste Platzierung der Sechzigerjahre wurde mit dem 5. Platz 1961/62 erreicht. Punktgleich mit der TSG Backnang, der TG Heilbronn und der Heilbronner SpVgg 07 konnte man sich am Pfaffenmühlenweg durchaus zufrieden zeigen. Dabei konnte man Zuhause manchen Favoriten ärgern: Meister SV Neckarsulm wurde mit 2:0, Vizemeister Phönix Mühlacker gar mit 5:3 wieder nach Hause geschickt.

 Nach einem 9. Platz 1962/63 rutschte die TSG Öhringen am Ende der Saison 1963/64 auf Platz 11 ab, und dass nach einem fulminanten Saisonstart mit 10-2 Punkten.

1964/65 schaute mit dem Abstiegsgespenst wieder einmal ein alter Bekannter am Pfaffenmühlenweg vorbei. In einer Saison, in der so manches verkorkst lief brachte die Öhringer durch eine Spielwertung - ein 2:2-Heimunentschieden gegen den späteren Meister TSG Backnang wurde für Backnang als Sieg gewertet - punktgleich auf einen Abstiegsplatz mit dem FV Markgröningen. Da die damalige Spielordnung bei Punktgleichheit ein Entscheidungsspiel vorsahen (die Öhringer hatten die bessere Tordifferenz als auch das bessere Torverhältnis und hätten auch so in der Tabelle vor Markgröningen rangiert), kam es zum Showdown in Heilbronn. Am 3. Mai 1965 sahen 1.400 Zuschauer einen 2:0-Last-Minute-Sieg der Rot-Weißen, die dank eines Doppelschlages ab der 83. Minute durch ihren Torjäger Heinz Fudalla die Klasse hielten.

Doch ach, die Rosen welken all'! 1965/66 - dem Meisterjahr der Normannia - war der Sturz in die A-Klasse nicht mehr zu stoppen. 7 Punkte Rückstand auf das rettende Ufer bei 71:95 Toren und 21-43 Punkten hießen: Abstieg. Auch diesesmal kehrten die Öhringer aber souverän aus der A-Klasse Hohenlohe zurück, sicherten sich mit 69:38 Toren und 46-14 Punkten den Aufstieg und erkämpften sich erneut den Bezirkspokal mit einem Sieg im Elfmeterschießen gegen SV Westernhausen.

Allerdings: 1967/68 brachte den Hohenlohern kein Glück. Lediglich 15-45 Punkte bedeutenden die "rote Laterne" und die Rückkehr in die Fünftklassigkeit. Zuhause wurden nur 3 Siege geholt (3:1 gegen SpVgg Renningen, 7:2 über den VfL Neckargartach und 4:2 gegen FV Markgröningen), auswärts gar nur ein 1:0 bei der SGV Murr.

Nach diesem Abstieg musste sich die TSG Öhringen erstmal länger in der A-Klasse einrichten. Vier Spielzeiten lang - von 1968/69 bis 1971/72 - spielte man zwar vorne mit, aber erst 1972 gelang die Rückkehr in die 2. Amateurliga.

Die Platzierungen in der A-Klasse Hohenlohe:
1968/69: 5. Pl. (66:41 T.; 32-24 P.)
1969/70: 3. Pl. (82:38 T.; 33-19 P.)
1970/71: 3. Pl. (71:39 T.; 41-15 P.)
1971/72: 1. Pl. (81:19 T.; 45-11 P.)

Mit einem gesicherten Mittelfeldplatz zog die TSG Bilanz nach der Saison 1972/73, und im WM-Jahr 1974 erreichte die TSG ein nie für möglich gehaltenen 3. Platz (66:54 Tore und 35-25 Punkte). Selbst  der Vizemeister und aus dem Vorjahr aus der 1. Amateurliga abgestiegene Traditionsclub Union Böckingen musste gegen Öhringen im Hin- und Rückspiel die Segel streichen (1:2 und 0:1).

Bereits 1974/75 jedoch war Öhringen mit nur 4 Punkten Vorsprung vor dem Abstiegsplatz wieder am Tabellenende anzutreffen, nur um dann wie der sprichwörtliche Phönix aus der Asche in der Saison 1975/76 wieder auf Platz 3 aufzutauchen. Phasenweise spielten die Öhringer gar um den Aufstieg mit, den sich jedoch die SKV Rutesheim im Fotofinish vor der TG Heilbronn sicherte.

Ein Jahr später wiederrum kam der erneute Absturz in den Tabellenkeller. Platz 13 verhieß nichts gutes für die anstehende Liganeuordnung, und Auswärts durfte Öhringen nur einen Sieg bejubeln, ein 3:1 beim SV Freudental.

1977/78 war das letzte Jahr der 2. Amateurliga. Durch die Einführung der Amateur-Oberliga Baden-Württemberg zu Spielzeit 1978/79 wurde auch der Unterbau entsprechend reformiert. Aus der 1. Amateurliga wurde quasi die Verbandsliga, aus den 5 Staffeln der 2. Amateurliga wurden 4 Staffeln der Landesliga, aus der A-Klasse die Bezirksliga usw.
Ein schnöder Klassenerhalt hätte den Öhringern zur Qualifikation für die Landesliga gereicht.
Jedoch - der Sturz ins Bodenlose war eröffnet. Der 16. Platz mit 20-44 Punkten bedeutete den Abstieg in die Bezirksliga Hohenlohe, und diesmal war die Abwesenheit der TSG Öhringen aus überbezirklichen Ligen von längerer Natur.

1978 bis 1992: Durch das finsterste Hohenlohe


Ein trauriger Abschnitt in der Geschichte der TSG Öhringen begann. Während sich Vereine wie Schwäbisch Hall, Union Böckingen und Renningen im Glanz der Verbandsliga spiegelten, TSG Backnang, Rutesheim oder Bad Wimpfen die Fahne der ehemaligen Staffel 2 in der Landesliga hochhielten, dümpelte Öhringen über die Hohenloher Landschaft. Heraus stach dabei nur der 6. September 1981. Ernst Lintner absolvierte da nämlich sein 600. Spiel im Dress der TSG Öhringen, und alle Spieler sogar ohne Platzverweis, wie der Kicker nicht ohne Anerkennung meldete. Seinen ersten Einsatz hatte er am 18. Juli 1965.

Bis 1986/87 dauerte der Aufenthalt in der Bezirksliga Hohenlohe an, dann ging es .... weiter bergab! Zum erstenmal seit 1912 musste die Elf aus Öhringen auf Kreisebene antreten. Zwar gelang in der Kreisliga A 1987/88 postwendend der Aufstieg, doch musste dieser hart erkämpft werden.

1988/89 folgte bereits ein zufriedenstellender 5. Platz in der Bezirksliga, ein Jahr später sprang hinter dem TSV Altenmünster gar der 2. Platz heraus. Gleichzeitig konnte im Juni 1990 mit einem Sieg über TSV Vellberg erneut der Bezirkspokal gewonnen werden.

Nach einem 5. Platz 1990/91 kam der große Sprung nach Oben im Jahr 1991/92. Nach Startschwierigkeiten legte der Club einen erfolgreichen Schlußspurt hin und landete mit Martin Frank, Burkhardt, Endreß, Kurrle, Schmitz, Thomas Sehr, Sommerfeld, Tiedke, Avanidis, Rolf Belz, Rolf Wenninger, Aslanidis, Armin Conrad, Josef Felix, Steffen Treier und Jacobi wieder in der Landesliga Württemberg.

1992 bis 2001: Gastspiele in der Landesliga


Die TSG Öhringen war wieder da und schloss die Landesliga-Saison 1992/93 mit einem zufriedenstellenden 11. Platz ab. Passenderweise verzeichnete der Aufsteiger auch 11 Siege, wobei ein Sieg über den VfR Heilbronn II durch eine Wertung am "grünen Tisch" zustandekam. Das Spielergebnis lautete 1:2, wurde aber wegen Einsatzes eines nicht spielberechtigten Heilbronner Spielers zu Gunsten der Öhringer gewertet.

Auch 1993/94, der letzten Saison mit der Zwei-Punkte-Wertung, brachte die Öhringer auf Platz 11 bei erneut 11 Siegen. Dabei musste man jedoch auch einige böse Schlappen gegen Favoriten einstecken. So Ging die TSG Backnang mit einem 6:0 zurück in die Gerberstadt, und beim SGV Freiberg/Neckar gab es ein 1:7. Unter den Spielern stach Torjäger Josef Felix hervor, der mit 17 der 58 Öhringer Tore auf Platz 7 der Torjägerliste landete.

Alain Sutter 2008 beim Autogramme geben.
1994 in Öhringen fehlte ihm die Zeit dazu.
Foto: Reto Stauffer, www.sportreporter.chCC BY-SA 2.0 de
1994 war es auch, als Öhringen fußballerisch ein wenig weiter bekannt wurde. Am 5. Februar 1994 trafen vor 1.500 Zuschauern der 1. FC Nürnberg und die Stuttgarter Kickers zum Testspiel in Hohenlohe aufeinander. Die Kickers gewannen mit 2:0. Bemerkenswerter war jedoch die Pressekonferenz, bei der Club-Trainer Rainer Zobel in Mißgunst der Öhringer Fans geriet. Der für die Nürnberger auflaufende Schweizer Mittelfeldakteur Alain Sutter hatte den Fußballanhängern Autogramme verweigert, was Zobel ausdrücklich verteidigte: "Erst machen wir unsere Arbeit, danach geben wir Autogramme".

"Danach", das war für Zobel eben erst duschen und Pressekonferenz.


1994/95 jedoch war das 11. Platz-Glück den Öhringern nicht mehr hold, und die TSG stieg erneut in die Bezirksliga Hohenlohe ab.

Dort wäre beinahe der Durchmarsch in die Kreisliga A erfolgt, hätte man sich in der Rückrunde 1995/96 nicht auf seine alten Qualitäten berufen und sich noch einmal auf Platz 6 vorgekämpft.

Bestärkt durch die in der Rückrunde gezeigten Leistungen zog man mit Optimismus und Selbstbewusstsein in die Saison 1996/97. Nichts Geringeres als die Rückkehr in die Landesliga hatten sich die Öhringer auf ihr rot-weißes Panier geschrieben. Und tatsächlich: nach einem durchwachsenen Saisonbeginn verabschiedete sich die TSG mit einem 5:0 bei der SpVgg Gröningen-Satteldorf am 1. Juni 1997 aus der Bezirksliga. Der Vorsprung zum Vizemeister TSV Niedernhall betrug 8 Punkte. Da verschmerzten die Öhringer gerne das Ausscheiden im Halbfinale des Bezirkspokals. Dort behielt der TSV Gerabronn die Oberhand.

 Am 25. August 1997 konnten die Öhringer Fußballfans wieder ein Heimspiel in der Landesliga erleben. Der Auftakt hingegen blieb gegen die SG Sonnenhof Großaspach mit 3:4 unter den Erwartungen, aber danach rappelte sich die Mannschaft auf, und mit einem 2:1-Auswärtssieg am 8. Spieltag beim TSV Schwieberdingen übernahm Öhringen sensationell die Tabellenspitze. Zu Saisonende sprang nur der 11. Platz heraus, doch die Mannschaft überzeugte vollauf und Fans und Vereinsführung konnten mit der Arbeit von Trainer Andreas Jankowski zufrieden sein. Durchschnittlich 241 Zuschauer verfolgten die Heimspiele, und Sasa Bjelic trug sich mit 11 der 55 TSG-Treffer in die Torschützenlisten ein.


1998 feierte man sowohl 150 Jahre TSG Öhringen als auch 90 Jahre Fußball in Öhringen. Anlaß genug, das Vereinswappen zu überarbeiten, wie man es heute noch kennt.

1998/99 schloß die TSG Öhringen mit einem hervorragenden 4. Platz ab. 54 Punkte und 70:43 Tore konnten die durchschnittlich 323 Zuschauer bejubeln - nur Meister SGV Freiberg hatte mehr Zuschauer. Mit 13 Treffern landete Goalgetter Sasa Bjelic zudem auf Platz 5 der Torjägerliste. Einen spektakulären Auswärtssieg feierten die Rot-Weißen übrigens bei der SG Sonnenhof Großaspach, die mit 2:1 im Fautenhau bezwungen wurde was wesentlich dazu beitrug, den Aspachern die Meistersuppe zu verderben.

Jenseits von gut und böse beendete man die letzte Fußballsaison des 20. Jahrhunderts. Platz 6 1999/2000 war ein zufriedenstellendes Ergebnis, und die Öhringer schienen sich endgültig in der Landesliga etabliert zu haben. Erstmals hatte man allerdings einen Zuschauerrückgang zu verzeichnen (207), die meisten (500) sahen die 1:2-Niederlage gegen Großaspach.

Mit Trainer Andreas Jankowski ging es auch in die Saison 2000/01, doch diesmal blieb der TSG der Gang in die Bezirksliga nicht erspart. Mit einem Punkt Rückstand auf die SG Schorndorf hieß es Abschied nehmen, da half auch der 5:0-Auswärtssieg am letzten Spieltag beim TV Oeffingen nichts, der nur von 70 Zuschauern verfolgt wurde. Schorndorf gewann zeitgleich 4:0 bei Viktoria Backnang und rettete sich. Schwacher Trost: erstmals seit dem Wiederaufstieg in die Landesliga scheiterte man nicht in der 1. Runde des WFV-Pokals. Nach Siegen beim SC Korb (2:1), Daheim gegen VfL Brackenheim (2:1), im Laichle beim TSB Schwäbisch Gmünd (1:0) erreichte man das Achtelfinale. Dort war allerdings Endstation. Der VfR Aalen erwies sich vor eigenem Publikum am 1. November 2000 als zu stark und eilte mit 5:3 fort zu seinem späteren Pokalsieg.

2001 bis 2009: Warten auf den Aufstieg


Der Neustart in der Bezirksliga Hohenlohe erwies sich als zäh. 2001/02 stand zwar Platz 3 zu buche, allerdings betrug selbst der Abstand zu Vizemeister Tura Untermünkheim bereits 12 Punkte, von Meister SC Michelbach gar nicht erst zu reden.

Auch 2002/03 sah es nicht anders aus. Öhringen belegte zwar den 3. Platz der Bezirksliga, blieb aber mit 24 Punkten hinter Meister Gröningen-Satteldorf deutlich auf der Strecke. Ein Lichtblick setzte wenigstens Ralf Deininger, der mit 27 Treffern Platz 2 der Torjägerliste besetzte. Deininger war es auch, der am 29. Mai 2003 vor 1.300 Zuschauern in Untermünkheim mit seinen beiden Treffern in der 55. und 68. Minute gegen TSV Gerabronn den Bezirkspokal sicherte.

Als Vizemeister 2003/04 hinter Tura Untermünkheim erhielten die Rot-Weißen endlich die Möglichkeit, das Projekt Landesliga wieder in Angriff zu nehmen. Am 10. Juni 2004 traf man in Bühlerzell auf den Vizemeister der Bezirksliga Rems-Murr, musste sich aber nach Verlängerung dem SV Remshalden mit 2:3 geschlagen geben. Bemerkenswert an dieser Saison war die 1:8-Auswärtsniederlage bei der 2. Mannschaft des TSV Crailsheim.
Im WFV-Pokal, zu dem man sich als Bezirkspokalsieger qualifiziert hatte, schlug man sich mit 3:4 durchaus achtbar gegen den FC Heilbronn 96/07, zudem verteidigte man mit einem 3:1 gegen den TSV Michelbach/Bilz erfolgreich seinen Bezirkspokaltitel.

Ein durchwachsener 6. Platz vor durchschnittlich 89 Zuschauern folgte in der Saison 2004/05. Diese mußten gar eine 0:8-Schlappe im eigenen Feld gegen die Sportfreunde Schwäbisch Hall erleben. Im Gegenzug versäumten die Zuhause gebliebenen spektakuläre Heimsiege über SSV Stimpfach (5:0), Sportfreunde Bühlerzell (7:2) und gegen FC Creglingen (6:2).

2005/06 nahm Öhringen erneut Anlauf in Richtung Landesliga, musste sich aber am Ende mit einem beachtlichen 3. Platz gedulden. Mit 7:0 vom TSG Bretzfeld und 6:1 von der TSG Kirchberg kehrten die Rot-Weißen auch von Auswärtsspielen mit schußfreudigen Ergebnissen zurück, Mathias Schaser erzielte alleine 24 der 81 TSG-Treffer. Trainer Heiko Ostheimer konnte wahrlich zufrieden sein.

Nachfolger Wolfgang Guja konnte 2006/07 nur den 4. Platz für die TSG Öhringen vorweisen. Immerhin: die TSG wies die zweitbeste Auswärtsbilanz auf, der alte Bekannte TSV Gerabronn wurde auf seinem eigenen Platz mit 6:0 geschlagen, die Eisenbahner des ESV Crailsheim gar mit 8:0. Mit dieser Auswärtsbilanz konnte man durchaus für die Zukunft hoffen.

Die Saison 2007/08 begann mit guten Vorzeichen für die nun von Jochen Sailer trainierte Elf: am 4. August 2007 kegelte der Bezirksligist den Verbandsligsten SpVgg 07 Ludwigsburg mit 3:2 aus der 1. Runde des WFV-Pokals, für den man sich als Bezirkspokalfinalist qualifiziert hatte! Landesligist TSV Crailsheim II folgte mit einem 3:0 vier Tage später in Runde Zwo, und auch Verbandsligist TSF Ditzingen mußte in der 3. Runde am 11. August 2007 mit 1:0 die Segel streichen. Bezirksligist Öhringen stand im Achtelfinale und beugte sich dort dem Oberligisten TSV Crailsheim erst in der Verlängerung mit 2:4 (29. August 2007). Diese Pokalspiele im August sind um so beachtlicher, da Öhringen dazwischen auch noch im Bezirkspokal antrat: 15. August 6:0 gegen den TSV Michelbach/Bilz und im Achtelfinale am 22. August noch ein 2:1 beim TSV Mulfingen. Um die Pokalsache abzukürzen: die TSG erreichte auch das Finale in Altenmünster, unterlag aber am 08.06.2008 den Spfr./DJK Bühlerzell mit 0:2.

In der Bezirksliga hätte dann somit wohl alles auf Aufstieg stehen können. Jedoch: Wieder landete die TSG Öhringen mit deutlichem Rückstand nur auf Platz 4.

2008/09 fertigte die TSG im WFV-Pokal in der 1. Runde zunächst Verbandsligist Ditzingen mit 3:1 ab, scheiterte aber dann bereits in Runde 2 am Verbandsligisten SKV Rutesheim mit 1:2. Wesentlich wichtiger hingegen war für die TSG Öhringen der lange ersehnte Meistertitel in der Bezirksliga Hohenlohe und den damit verbundenen Aufstieg in die Landesliga Staffel 1. Im Schlußspurt kam man den Spfr./DJK Bühlerzell quasi ein "Muggaseggele" zum Meisterlorbeer voraus, und Cheftrainer Jochen Sailer machte den lang gehegten Traum endlich möglich. Mit einem 11:0 über den TSV Gerabronn feierte man zudem einen der höchsten Heimsiege der jüngeren TSG-Geschichte.

Seit 2009: Der Weg in die Verbandsliga


Lehrjahre, so weiß der nie um Wortspiele verlegene Volksmund, sind keine Herrenjahre. Öhringen schloß mit Trainer Sailer die Landesliga-Saison 2009/10 mit dem ersten Nichtabstiegsplatz ab, ließ aber die Absteiger deutlich hinter sich. Auch sonst konnte sich die Bilanz sehen lassen. Abgesehen von einem 0:7-Debakel beim SV Fellbach konnte der kecke Aufsteiger auch bei Spitzenteams auswärts achtbare Ergebnisse erzielen, schlug man daheim den späteren Tabellendritten Ingersheim mit 6:1, stellte die TSG mit Alexander Elli den Torschützenkönig der Liga.

Auf Coach Sailer folgte der Co-Trainer Michael Carle im Duett mit Martin Weiß auf die Cheftrainerbank. Unter dem Trainerduett schloss Öhringen die Saison 2010/11 mit einer ausgeglichenen Bilanz von 47:47 Toren und 47 Punkten auf Platz 7 ab.

Am Ende der Saison 2011/12 zeigten die Rot-Weißen aus Hohenlohe, was sportlich alles möglich ist. Platz 5 mit Tuchfühlung nach Oben und einer Torbilanz von 83:48 ließ erstmals erkennen, was am Pfaffenmühlenweg alles möglich ist. Mit 30 Toren in 31 Spielen krönte sich zudem Volkan Demir zum Torschützenkönig der Saison, nur mit durchschnittlich 133 Zuschauern dümpelte man im Keller herum.

Die Vereinsführung setzte auch für 2012/13 das Vertrauen in Trainer Martin Weiß. Der Club mußte jedoch den Weggang von Demir zur Neckarsulmer Sport-Union verschmerzen und wäre als Tabellenzwölfter beinahe noch abgestiegen. In der Relegation gegen den Bezirksligazweiten FC Union Heilbronn brauchten die TSG'ler vor 2.300 Zuschauern in Schwäbisch Hall die Verlängerung, um sich den Verbleib in der Landesliga zu sichern. Bis zur 83. Minute lag man mit 1:2 zurück, ehe Samuel Helming erst die Verlängerung und dann Andrey Nagumanov und Julian Schiffmann beim Nachsitzen den Todesstoß für den Herausforderer aus dem Unterland besiegelten.

2013/14 hingegen war es nicht zu vermeiden: Öhringen stieg wieder in die Bezirksliga ab! Mit nur 19 Punkten und 35:89 Toren war schlicht kein Staat zu machen, und sogar gegen Ex-Verbandsligist und Punktelieferant Hellas Bietigheim war man die einzige Mannschaft der Liga, die dort einen Punkt abgeben musste (1:1). Mit 43 Zuschauern beim Spiel gegen den FV Löchgau verzeichnete man gar einen der schlechtesten Besuche der Saison - nur Bietigheim gegen Untermünkheim hatte noch weniger angelockt.

Auf ein Neues also in der Bezirksliga mit Trainer Marius Müller, der im Januar 2014 das Amt übernahm. Dort blieb man jedoch 2014/15 trotz Aufholjagd zu Saisonende mit einem Punkt Rückstand zunächst hinter Meister SpVgg Gröningen-Satteldorf zurück. Bei den Relegationsspielen der Bezirksliga-Vizemeister scheiterte man bereits in Durchgang Eins an Hellas Bietigheim mit 0:3. Aus der Traum von der Landesliga. Als Ausgleich hielt man sich im Bezirkspokal gütlich und siegte im Endspiel vor 1.400 Zuschauer über Meister Gröningen-Satteldorf mit 3:1.

2015/16 dann schließlich die ersehnte Rückkehr in die Landesliga.Mit 11 Punkten Vorsprung vor Vizemeister TSV Pfedelbach und nur einer einzigen Niederlage, einem 0:1 vor eigenem Publikum gegen SG Sindringen/Ernsbach, zeigte die TSG Öhringen, wo der Hohenloher den Most holt.

Doch damit nicht genug! Den Öhringer gelang 2016/17 der direkte Durchmarsch in die Verbandsliga Württemberg, womit sie nach 69 Jahren wieder in der obersten württembergischen Spielklasse angekommen sind. Den Mannen um Marius Müller gelang die mit nur 3 Punkten Vorsprung und einem sparsamen Torverhältnis von 49:35 Toren. Zum Vergleich: Vizemeister SKV Rutesheim erzielte 82:43 Treffer.

Wie geht das Abenteuer der TSG Öhringen weiter? Wie es auch fortgehen mag, meine Daumen sind für den Club gedrückt. Abgesehen natürlich am Samstag, den 9. September 2017: dann wird die TSG Öhringen nach 25.136 Tagen oder schlicht 68 Jahren und 299 Tagen wieder zu einem Punktspiel im Schwerzer antreten.


Steckbrief

Turn- und Sportgemeinde Öhringen 1848 e.V.
Gegründet: 1. Januar 1934
Vereinsfarben: Rot-Weiß
Stadion: Otto-Meister-Stadion, Pfaffenmühlenweg (3.500 Plätze)
Sportarten: 26




Erfolge
Meister Landesliga 2017
Meister Bezirksliga 1947, 1950, 1960, 1967, 1972, 1992, 1997, 2009, 2016
Bezirkspokalsieger 1960, 1966, 1990, 2003, 2004, 2007, 2015
Endspiel WFV-Pokal 1951

Bilanz der letzten Jahre:


SaisonLigaPlatzPkt.T+
T-Zusch.WFV-PokalTorjäger
2016/17Landesliga1. Platz5949:34166AchtelfinaleAlexander Overcenko (11 T./13. Pl.)
2015/16Bezirksliga1. Platz7975:16k.A.1. RundeDaniel Alankus (16 T./8. Pl.)
2014/15Bezirksliga2. Platz6966:21k.A.k.T.Manuel Martinez (18 T./4. Pl.)
2013/14Landesliga15. Platz1935:891151. RundeManuel Martinez (10 T./21. Pl.)
2012/13Landesliga12. Platz3656:661162. RundeAndrey Nagumanov (12 T./14. Pl.)
2011/12Landesliga5. Platz5683:481333. RundeVolkan Demir (30 T./1. Pl.)
2010/11Landesliga7. Platz4747:471591. RundeJoachim Sauermann (10 T./16. Pl.)
2009/10Landesliga13. Platz3555:701892. RundeAlexander Elli (24 T./1. Pl.)
2008/09Bezirksliga1. Platz7785:35k.A.2. RundeJoachim Sauermann (29 T./4. Pl.)
2007/08Bezirksliga4. Platz5173:34k.A.AchtelfinaleJoachim Sauermann (19 T./6. Pl.)
2006/07Bezirksliga4. Platz5777:36150k.T.Joachim Sauermann (22 T./3. Pl.)
2005/06Bezirksliga3. Platz6281:36114k.T.Mathias Schaser (24 T./4. Pl.)


Donnerstag, 29. Dezember 2016

GLOTZE AUS, STADION AN! - Zum Jahreswechsel




Folgende Mitteilung stammt von Faninitiative GLOTZE AUS, STADION AN!

Dirk Mederer
Liebe Unterstützer*Innen und aktive Supporter von GASA!
Die Zeit „zwischen den Jahren“ möchten wir nutzen, um uns für die Beteiligung bei GLOTZE AUS, STADION AN! herzlich zu bedanken und allen Amateurfußballfans für 2017 viel Erfolg mit ihren Mannschaften zu wünschen. Für Fans und Vereine unterhalb der Profiligen wird es auch in den kommenden Jahren – trotz Lippenbekenntnisse von Verbänden und Funktionären – nicht einfacher werden, ihrer Rolle in Sport und Gesellschaft gerecht zu werden. Die Ausweitung der TV-Übertragungen der Bundesliga auf den klassischen Amateur-Sonntag wird nicht nur für ein Ausbleiben von Zuschauern sorgen, es schließt gar Spieler und Betreuer davon aus, „ihrem“ Bundesliga-Club zu verfolgen, da diese zeitgleich selber gegen das „runde Leder“ treten. Umso wichtiger ist es,
Hansjürgen Jablonski
auch hier als Amateurfanszene Solidarität mit betroffenen Vereinen zu zeigen.
Administrativ ändert sich in der Betreuung der Homepage eine Kleinigkeit. Dirk Mederer, der die GASA-Homepage aufbaute und bislang verwaltete, zieht sich aus zeitlichen und beruflichen Gründen von der aktiven Administration zurück. Wir bedanken uns bei Dirk für die Zeit und die Arbeit, die er investierte, um mit GASA eine Plattform für die Amateurfußballszene zu schaffen. Dies lässt sich mit einem einfachen „dankeschön“ gar nicht genug würdigen. Selbstverständlich wird er mit allen Sinnen und seinem Herzen das Geschehen um GASA und dem Amateurfußball weiterhin kritisch und interessiert verfolgen.
Als Nachfolger und Ansprechpartner bei der Administration von GLOTZE AUS, STADION AN! möchte ich mich hiermit allen Amateurfußballfans vorstellen. Mein Name ist Hansjürgen Jablonski, aktiver Fan des württembergischen Verbandsligisten 1. FC Normannia Gmünd und Sympathisant des Tübinger Stadtteilclubs TV Derendingen. Seit 2015 bin ich zudem Regionalkontakter Württemberg bei LOKALRUNDE. Für Fragen erreicht man mich per E-Mail über glotzeausstadionan@gmail.com.
Ich freue mich sehr auf die kommenden Aufgaben und die Zusammenarbeit mit den Fans des Amateurfußballs.
GLOTZE AUS, STADION AN! – Amateurfußball braucht Fans
Hansjürgen

Montag, 29. August 2016

Zurückgeblättert: Heute vor 90 Jahren - 29. August 1926

Sommerhitze! Die Freibäder sind an jenem Sonntag vor 90 Jahren gut besucht. Auch das Staubecken auf dem Einsiedel bei Kirchentellinsfurt, dass sich nun zunehmend mit Wasser füllt und mittlerweile eine Wassertiefe von 2,20 Meter aufweist, weist einen großen Badebetrieb auf.

Für die Fußballer hingegen gab es keine Sommerfrische. Im Gegenteil. Die Bezirksliga Württemberg/Baden, die oberste Spielklasse, ging mit der Partie Sportfreunde Stuttgart gegen VfR Heilbronn ins Rennen. Der Neuling aus Degerloch, im Vorjahr noch Kreisliga und Aufstiegsrunde dominiert, muß die bittere Erfahrung machen, dass die 1. Liga eine andere Hausnummer ist. Der VfR Heilbronn fertigt die Grün-Weißen mit 1:3 ab.

Das diese Partie die einzige Erstligabegegnung blieb, lag mitunter daran, dass noch nicht alle Teilnehmer feststanden. In der Relegationsrunde zwischen beiden Tabellenletzten der Bezirksliga 1925/26, 1. FC Pforzheim und 1. FC Birkenfeld, und den beiden Teams aus der Aufstiegsrunde gescheiterten Kreisligisten FV Union Böckingen und Phönix Karlsruhe blieben auch nach dem 4. Spieltag die Kreisligisten vorneweg.

Böckingen erlitt dabei einen Rückschlag. Beim 1. FC Pforzheim setzte es eine 4:3-Niederlage. Pforzheim ging rasch mit 3:0 in Führung, leistete es sich aber, die Böckinger auf 3:3 herankommen zu lassen, ehe die Goldstädter doch noch den verdienten Sieg einfuhren. Die Pforzheimer nutzten damit ihre letzte Chance zum Klassenerhalt, während Böckingen seine Aufstiegsfeier noch auf Eis legen mußte.

Phönix Karlsruhe hingegen fegte den 1. FC Birkenfeld förmlich vom Platz. 9:2 hieß es nach 90 Minuten, und für die Elf von der Enz war es damit "weg vom Fenster". Hauptursache für das Debakel war die frühe Verletzung von Birkenfelds Torwart Staib, der nach 28 Minuten ausscheiden mußte. Einwechselspieler gab es damals nicht. Damit war Birkenfeld, von dem man sagte, der Verein sei zu schnell in die Bezirksliga durchmarschiert, endgültig gescheitert.

Großer Jubel dafür eine Spielklasse tiefer: Der SV 05 Reutlingen konnte nach einem mühsamen Sieg nach Verlängerung die Klasse halten. Reutlingen, als Tabellenletzter der Kreisliga Alt-Württemberg, mußte zum Entscheidungsspiel auf neutralem Platz in Esslingen gegen den 1. Göppinger SV antreten. Mit 2:1 nach Verlängerung konnten die Achalmstädter die Klasse halten, und unter den Klängen von "Es soll Begeisterung uns entflammen" ging es zurück nach Reutlingen. Schon damals hieß es in der Reutlinger Presse, "wir brauchen in Reutlingen Ligavereine, wir brauchen gute, sehenswerte Fußballspiele!"

Auch der SV Schwaben Ulm ist noch mitten in den Aufstiegsspielen zur Bezirksliga Bayern. Bei den Würzburger Kickers gibt es einen satten 4:2-Auswärtssieg.

Und so kommen wir schon wieder zu den Freundschaftsspielen.

Besonders fleißig waren die Stuttgarter Kickers, die Samstag und Sonntag Testspiele absolvierten.

Samstag, 28. August:
Stuttgarter SC - Stuttgarter Kickers 1:3
VfR Mannheim - VfB Stuttgart 6:3

Sonntag, 29. August:
SV 98 Feuerbach - Stuttgarter Kickers 0:0
Ulmer FV 94 - Eintracht Frankfurt 1:5
FV 98 Zuffenhausen - Germania Brötzingen 2:3
SpVgg 08 Schramberg - FC 08 Villingen 4:1
VfR Schwenningen - FC Singen 04 3:5
SpVgg Trossingen - FC Konstanz 2:5
Sportfreunde Tübingen - FV Pfullingen 1:3


Was außerdem geschah:
* Einzelhandel und Handwerk sind gegen die Einführung eines "Wochenendes" nach englischem Vorbild, sprich: der Samstagnachmittag soll ein gewöhnlicher Arbeitstag bleiben.
* Berlin gewinnt das Fußballstädtespiel gegen Istanbul mit 7:1.
* In Moskau kommt es zu einer öffentlichen Empörung, nachdem im Kreml eine Toilette gebaut werden soll.
* Die gebürtige Dänin und naturalisierte US-Amerikanerin Amelia Gade Corson durchschwimmt den Ärmelkanal.
* Der Messesonntag der Leipziger Messe erfreut sich eines großen Besuches. Vor allem die Schuh- und Ledermesse als auch die Textilmesse verzeichnen einen großen Besucherverkehr.
* Nach 10 Tagen hat die Flugzeugexpedition der Deutschen Lufthansa die chinesische Hauptstadt Peking erreicht. Der regelmäßige Linienverkehr soll zukünftig 15 Tage betragen.
* Über Oberschlesien geht ein schweres Unwetter nieder und richtet großen Sachschaden an.
* In einer Gastwirtschaft in Schramberg stürzt die 19-jährige Serviererin, wobei sie sich Schnittwunden am Arm zuzieht, an deren Folgen sie am Nachmittag im Krankenhaus an Blutvergiftung verstirbt.

Montag, 22. August 2016

Zurückgeblättert: Heute vor 90 Jahren - 22. August 1926


Von wegen Sommerpause und "Im Herbst wenns Wetter kühl, gehts hinaus zum Fußballspiel".
Auch 1926 wurde bereits im August gekickt, wiewohl der Verband stets im Sommer eine Spielsperre verhängte.

Heute vor 90 Jahren gab es aus württembergischer Sicht eine Reihe interessanter Partien. Natürlich jede Menge Freundschaftsspiele, aber auch Aufstiegspartien zur ersten Liga, damals Bezirksliga genannt, sowie bereits Spielrunden im Verbandsbereich. Auch Jugendspiele habe ich ausgegraben.

In der Sommerzeit kam es zu einen Vermischungen der Spielzeiten. Die Aufstiegsspiele gehörten Proforma noch der Saison 1925/26 an, die Kreisligaspiele bereits der Saison 1926/27. Irgendwie waren das damals halt doch etwas chaotische Zeiten.


In der Kreisliga Schwarzwald (Baden) deklassierte der Vorjahreszweite FC Villingen 08 den Vorjahresdritten FC Singen 04 mit sage und schreibe 7:0.

Aus württembergischer Sicht interessanter der Vergleich zwischen der SpVgg Schramberg und dem VfR Schwenningen, der mit 6:0 für Schramberg endete. Und der FC 08 Tuttlingen mußte sich im heimischen Sportplatz der SpVgg Trossingen mit 0:2 geschlagen geben.

In den Aufstiegsspielen zur Bezirksliga Württemberg/Baden unterlag der 1. FC Pforzheim (der damals als "Württemberger" galt) den Altmeister Phönix Karlsruhe mit 2:1.

Knapp 4.000 Zuschauer auf dem Phönixplatz in Karlsruhe verfolgten die Aufstiegspartie, wobei mit Pforzheim auch ein zugkräftiger Name in die Landeshauptstadt kam. Während die Goldstädter in Bestbesetzung anreisten, musste Phönix auf die drei Stammspieler Buchwald, Nagel und Seiter verzichten. Pforzheim galt daher als Favorit in der Partie. Mit der Aufstellung Rauch - Melchel, Roller - Müller, Heidlauf, Kirchenbauer - Seger, Weißenbacher, Bürkle, Distel, Wetzel legten die Pforzheimer auch gleich ein ordentliches Tempo vor. Es war aber die Phönix-Elf, die bereits nach 5 Minuten mit einem Kopfballtreffer in Führung ging. In der Folge erhöhte Pforzheim seinen Druck, scheiterte aber immer wieder an Phönix-Keeper Freiseis, der einen hervorragenden Tag erwischte.

Nach der Halbzeit vewandelt Bürkle einen Handelfmeter zum längst fälligen Ausgleich. Am Ende ist es dann dennoch Phönix, dass den Siegeslorbeer einhamster. Witt vollstreckt in der 88. Minute das Schicksal der Pforzheimer, Phönix hat gesiegt und steht plötzlich wieder gut im Rennen um die 1. Liga. Der Sieg wohl mehr als verdient. "Junger Mut, unverbrauchte Energiezentren. Und Pforzheim? Ein schwerfälliger Koloß, mangelhaft durchtrainiert, in vielen Punkten überaltert", so lautete die harsche Kritik der Badischen Presse.

Union Böckingen mußte beim 1. FC Birkenfeld mit 1:1 einen Punkt liegenlassen, behielt aber seine Tabellenführung in der Qualifikationsrunde.



Sp. T+
T- P.
1. FV Union Böckingen 3 6 : 4 5-1
2. Phönix Karlsruhe 3 6 : 6 3-3
3. 1. FC Pforzheim 3 4 : 5 2-4
4. 1. FC Birkenfeld 3 4 : 5 2-4

Noch eine württembergische Mannschaft mußte sich qualifizieren, jedoch für den Bezirk Bayern. Dort waren u. a. die Ulmer Vereine zugeteilt. Als Tabellenvierter in der Aufstiegsrunde hinter FC Fürth, 1. FC Bayreuth und den Würzburger Kickers gescheitert, mußte dort der SV Schwaben Ulm in einer zusätzlichen Relegationsrunde nachsitzen. Am 22. August 1926 gab es allerdings beim SSV Schwaben Augsburg eine 1:4-Niederlage.

Noch ein Ulmer Verein ging auf Reise, allerdings zu einem Freundschaftsspiel. Der Ulmer FV 1894 unterlag dabei in Gmünd dem 1. FC Normannia Gmünd mit 1:3.

Der VfR Heilbronn spielte anläßlich seines 30-jährigen Jubiläums gegen den VfR Mannheim 5:1. Lokal Beachtung fand der Sieg des B-Ligisten TB Pfullingen beim A-Ligisten Sportfreunde Betzingen, der 5:4 für die klassentieferen Pfullinger ausging.
Aus Anlaß des 30-jährigen Jubiläums des TV Mittelstadt spielt dessen Fußballabteilung 2:2 gegen die Gäste des TV Pliezhausen.

Weitere Freundschaftsspiele mit württembergischer Beteiligung:
Stuttgarter Kickers - Schwarz-Weiß Essen 2:0
Stuttgarter SC - FC Pfalz Ludwigshafen 2:0
FV Daxlanden - Viktoria Untertürkheim 5:1
VfR Aalen - SpVgg Cannstatt 4:3
FC Urach - SV Reutlingen 05 Reserve 2:3

Und wenn wir schon in Reutlingen sind: auch die Jugendlichen traten vor 90 Jahren gegen den Ball. Reutlingens A-Jugend war dabei um 10:30 Uhr Gast beim VfB Obertürkheim. Nach 3 Minuten gingen die Obertürkheimer A-Jugendlichen nach einer Ecke mit 1:0 in Führung (Reutlingen: "Das Spielfeld ist derart schmal, daß vom Strafraum gemessen zur Auslinie etwa 2 Meter sind"). Reutlingens Torhüter Kramer hat in der Folge viel zu tun, bewährt sich aber. Durch einen Doppelschlag von Dethlof in der 19. und 20. Minute gehen die Gäste von der Achalm in Führung. Am Ende feiert der heutige SSV einen knappen 4:3-Erfolg in Obertürkheim, haderte aber dennoch mit dem Schiedsrichter, von dem man sich benachteiligt sah.

Reutlingens B-Jugend kam zu einem 2:0-Heimsieg über die B-Jugend Obertürkheims, während die C1 gegen die SpVgg Tübingen ebenfalls in Reutlingen mit 2:0 siegreich blieb.

Was außerdem geschah:
* Zunächst viel Regen - das reinste Aprilwetter zog übers Ländle - bevor sich dann doch noch die Sonne heraustraute und vor allem Cafehäuser und Biergärten von gutem Besuch profitieren ließen.
* In Griechenland kam es zu einem Militärputsch, der den Sturz der Regierung Pangalos verursachte.
* Ein Großereignis war natürlich der 65. deutsche Katholikentag in Breslau.
* In Braunschweig wird Reichmann aus Siegen Deutscher Meister im Marathonlauf in 2:41:09 h vor Hempel aus Charlottenburg (2:47:40,4)
* Mit stolzgeschwellter Brust blickt Sportdeutschland auf das Wochenende. In der Leichtathletik gewinnt man den Dreiländerkampf in Basel, und bei den Schwimm-Europameisterschaften in Budapest wird man Gesamtsieger.
* Im Kino begeistert Douglas Fairbanks als "Dieb von Bagdad" auch das süddeutsche Publikum.
* Die Reichspostdirektion lehnt eine Änderung der Fernsprechgebühren für 1926 ab. Die Wirtschaft fordert für "Vielsprecher" günstige Gebühren.
* Beim Baden im Rhein bei Jechtingen am Kaiserstuhl ertrinken drei Mädchen im Alter von 11 bis 12 Jahren.
* Über der Reichshauptstadt Berlin tobt ein Wirbelsturm. Ein Mensch kommt dabei ums Leben.
* ein 41-Jähriger US-Amerikaner aus Dayton, Ohio sucht per Inserat ein gesundes rechtes Bein. Sein eigenes verlor er bei einem Unfall. Innerhalb kurzer Zeit antworten bereits ein gutes Dutzend Interessierte, darunter 2 Frauen. 

Freitag, 19. August 2016

Vorgestellt: FC Viktoria Backnang


Aus meiner Sammlung: Nadel des FC Viktoria Backnang
Als am 19. August 1948 im Herzen Backnangs, genauer im Gasthaus "Löwen" in der Marktstraße, der FC Viktoria Backnang ins Leben gerufen wurde, besaß die Gerberstadt bereits einen altehrwürdigen Fußballverein. Hinter dem eingessenen SV Backnang verbarg sich niemand geringeres als der ehemalige FV 1919 Backnang, der heute als TSG Backnang Fußball in der Verbandsliga Württemberg antritt.

1948: Gründung in Notzeiten


In Backnang hatte man eigentlich andere Sorgen, als sich um einen zweiten Fußballverein zu kümmern. Die Infrastruktur der Stadt litt noch unter den Folgen des Zweiten Weltkrieges. Insgesamt 11 Luftangriffe mußte noch in den letzten Kriegsmonaten die Stadt und ihre Bevölkerung ertragen, und kurz vor dem Einmarsch der Alliierten sprengte man die Brücken über die Murr. Hinzu kam ein Bevölkerungswachstum durch 5.000 Heimatvertriebene, die zwischen 1945 und 1948 nach Backnang kamen, die auch noch untergebracht werden mußten, die "Lohn und Brot" zu finden hatten. Hierbei erwies sich die Ansiedlung von AEG-Telefunken als besonders hilfreich. Zählte die Stadt 1939 noch 11.600 Einwohner, stieg diese Zahl 1946 auf 15.400 und wuchs bis September 1950 auf 18.100 an. Kein leichtes Unterfangen für eine Stadt, auch wenn es in der Kreisbeschreibung von 1980 über Backnang hieß, "die Heimatvertriebenen erwiesen sich stets als ein Element des Friedens und des Fortschritts". Denn ganz so "idyllisch" war es damals keinesfalls. In Backnang wie andernorts sah man diese "Habenichtse" aus den deutschen Ostgebieten und dem Siedlungsräumen Ost- und Südosteuropas äußerst ungern, mitunter gar feindselig. Über die Jahre wurde dieses Mißtrauen natürlich abgebaut, und die seit 1956 "Große Kreisstadt" Backnang übernahm 1971 die Patenschaft über die Volksgruppe der Ungarndeutschen, und noch 1988 wurde eine Städtepartnerschaft mit dem ungarischen Ort Bácsalmás vereinbart, der einst Heimat vieler Backnanger mit ungarndeutschen Wurzeln war.

Ähnlich wie in Schwäbisch Gmünd, wo sich zahlreiche Heimatvertriebene gerne dem Traditionsverein 1. FC Normannia Gmünd angeschlossen hätten und oftmals naserümpfend abgewiesen wurden, vollzog sich auch die Entwicklung in Backnang. Während aber in Gmünd ein Gros der talentierten Vertriebenen bei den Sportfreunden Gmünd eine neue Heimat fanden, wählte man in der Lederstadt den Weg eines eigenständigen Vereins.

Der FC Viktoria war ein Verein der Ungarndeutschen, wie nicht nur Namen wie Tomsics, Slomovics oder Slezak andeuten. Auch die grün-weißen Vereinsfarben dürften eine Reminiszenz an die alte Heimat an der Donau darstellen (Grün und Weiß gelten heute noch als Farben der Donauschwaben). Dem Kind war dabei eine unglaubliche Solidarität in die Wiege gelegt, denn durch eine großzügige Spendenbereitschaft unter den Ungarndeutschen wurde ein finazieller Grundstock für den Club geschaffen. Wesentlich wichtiger waren jedoch die formellen Spielvoraussetzungen, die Teilnahme am Spielbetrieb als auch einen eigenen Sportplatz. Letzteren fand man nach zähen Verhandlungen mit Oberbürgermeister und Leitung des Flüchtlingslagers innerhalb der Stadt auf dem damaligen Seminarplatz. Auch die Zulassung zum württembergischen Spielbetrieb ging sehr zügig voran. Gerade erst gegründet, durfte der Verein bereits für die im September startende Saison 1948/49 antreten.

In der untersten Spielklasse, der B-Klasse, bestritt der Verein bei den Sportfreunden Gschwend (heute TSF Gschwend) sein erstes Pflichtspiel - und ging mit 2:5 baden. Generell war man in der Premierensaison mit dem bezahlen von Lehrgeld beschäftigt, der vorletzte Platz war die Ausbeute 1948/49. Apropos bezahlen: den Sparzwängen der Zeit war geschuldet, dass die Mannschaft viele Auswärtsspiele erwandern mußte...

Die 50er Jahre: Aufbauarbeit


Bereits die zweite Spielzeit war von Erfolg gekrönt. Klüger aus den Spielfehlern des Vorjahres und mit talentierten Spielern verstärkt stand am Ende der Saison 1949/50 die Meisterschaft und der Aufstieg in die A-Klasse fest. Doch nichts währt ewig, und im sportlichen Lebenslauf der Viktoria ging es bis in die C-Klasse hinab, die mittlerweile als unterste Liga eingeführt war. 1953 führte der Weg wieder postwendend nach oben, doch dümpelte der Verein mit wechselnden Erfolg in der B-Klasse herum. Sportlich war zunächst der 3. Platz in der Saison 1956/57 Höhepunkt in der Vereinsgeschichte. Hauptaugenmerk der Backnanger Fußballinteressierten lag damals jedoch auf der TSG Backnang, die im gleichen Jahr Meister in der 2. Amateurliga wurde und zunächst noch vergeblich Anlauf nahm zum Sprung in die 1. Amateurliga Württemberg.

Erfolgreicher hingegen waren die Bemühungen der Viktorianer, den Verein auf eine gesunde Basis zu stellen. Der Verein wuchs auf über 100 aktive und passive Mitglieder an und konnte sogar erstmals Jugendmannschaften am Spielbetrieb melden zu können.  Am 10. Januar 1958 erfolgte der Eintrag in das Vereinsregister als "Fußball-Club Viktoria Backnang e. V.".
Weniger erfolgreich hingegen waren die Verhandlungen mit der Stadt. Die Grün-Weißen sehnten sich nach einer richtigen Heimat, einem Vereinsheim. Die Stadtverwaltung sah hingegen keinen Anlaß, hierfür einen kostbaren Bauplatz dem Club zur Verfügung zu stellen.

1957 bis 1966: Die Ära Runge


Die Hauptversammlung vom 6. April 1957 wählte Heinrich Runge zum neuen 1. Vorsitzenden, was sich als Glücksgriff für den Verein erwies. Runge trug wesentlich dazu bei, dem Verein zu einem kleinen Höhenflug zu verhelfen. Nach Auflösung des Flüchtlingslagers am Seminar erreichte es Runge, dass der Club seine Spiele an der Stadthalle austragen konnte.
Bereits am Ende der Spielzeit 1957/58 konnten die ersten Früchte dieser Arbeit geerntet werden. Nach einem Entscheidungsspiel in Großaspach gegen den punktgleichen TSV Nellmersbach, das 5:1 gewonnen wurde, stand der Aufstieg in die A-Klasse Rems-Murr an, was der heutigen Bezirksliga entspricht. Die folgenden Spielzeiten wurden mit einem zufriedenstellenden 7. Platz in der Premierensaison und einem vielbeachteten 3. Platz 1959/60 abgeschlossen. Lokalrivale TSG Backnang in der 2. Amateurliga war schon in Griffweite.

Doch Glücksgöttin Fortuna warf die Waagschalen wieder zu ungunsten des Vereins um. Die fußballerische Qualität der Kicker in Grün-Weiß konnte nicht gehalten werden, und 1961/62 stand die Rückkehr in die B-Klasse fest. Gerade in dieser Zeit bewährte es sich, Runge die Geschicke des Vereins anvertraut zu haben. Mehrere Leistungsträger verließen den Verein, aber trotz der durch den Abstieg verbundenen finanzellen Einbußen gelang es dem Vorsitzenden, eine leistungsstarke Mannschaft ins Rennen zu schicken, die sich in der B-Klasse konsolidieren konnte.

Einer neuer Spielstil brachte den Viktorianern eine beachtliche Rückkehr in die A-Klasse. Mit 21 Siegen, 1 Unentschieden und 0 Niederlagen machte sich die sportliche Klasse des Vereins 1963/64 unter Trainer Eugen Frohn bemerkbar. Auch fianziell wurden wieder erfreulichere Zahlen geschrieben, konnte der Verein schließlich 48 neue Mitglieder verzeichnen.

Der Traum von der 2. Amateurliga wurde indes auch unter Runge nicht erfüllt, der schließlich 1966 sein Amt zur Verfügung stellte. Auch der Wunsch nach einem eigenen Vereinsheim blieb von der Stadt unerhört, und der ehemalige Spieler Ludwig Deimel übernahm wahrlich keine leichte Aufgabe, sich dem Erbe seines Vorgängers würdig zu erweisen.

1966 bis 1974: Sportliche Stagnation


Der Traum vom Aufstieg in die 2. Amateurliga blieb ein Traum. Im Gegenteil. Zu viele Leistungsträger mußten durch A-Jugendliche ersetzt werden, und am Ende der Saison 1968/69 fehlte gar ein Punkt zum Klassenerhalt. Viktoria Backnang stand wieder in der B-Klasse, während die TSG Backnang in der Saison 1967/68 sogar Regionalligaluft schnuppern durfte, immerhin damals die zweithöchste Spielklasse.

Natürlich wurde versucht, den sofortigen Wiederaufstieg zu erringen, aber es standen nur ein 3. Platz 1970/71 und ein undankbarer 2. Platz 1971/72 auf der Erfolgsbilanz. Lediglich die Reservemannschaft konnte mit über 100 erzielten Toren einen Meisterwimpel für den Club erringen.

Wiederrum fand ein Umbruch in der Elf statt, rutschte der Club tiefer in der Tabelle ab. Als 1973 das 25-jährige Jubiläum gefeiert wurde, gurkte man in tieferen Regionen der B-Klasse herum.

Mit der Kommunalreform 1972 verlor Backnang nicht nur seinen Kreisverwaltungssitz. Auch durch die Umorientierung der hergebrachten Einzugsgebiete gen Marbach und Gaildorf wurden nicht ersetzt, und durch die mangelnde Anbindung an Fernstraßen verlor die Stadt in den Folgejahren über 2.000 Arbeitsplätze. Wie ein Menetekel mag das verregnete Straßenfest gewirkt haben. Bei Viktorias 25-jährigem Vereinsjubiläum hingegen schien die Sonne, und die Stimmung im Festzelt war noch zuversichtlicher, als Oberbürgermeister Martin Dietrich das Versprechen gab, innerhalb zweier Jahre zur Lösung der Sportplatz- und Vereinsheimsituation beizutragen.

Der Kommunalpolitiker hielt Wort. Bereits am 26. September 1973 erhielt die Vereinsführung die schriftliche Bestätigung der Stadt, dass die ehemaligen Jugendräume in der Stadthalle fortan dem Club als Vereinsheim zur Verfügung stehen würde.

1975 bis 1983: Backnangs Fußball rückt enger zusammen


Ein eigenes grün-weißes Vereinsheim als heimatlicher Fixpunkt schien sich auch sportlich bemerkbar zu machen. Ohne Niederlage zog die Mannschaft souverän ihre Kreise und kehrte 1974/75 als Meister in die A-Klasse zurück. In der Folgesaison spielte man gar lange Zeit um den Aufstieg mit, konnte sogar Spieler vom TSG Backnang verpflichten, dessen große Zeit in der 1. Amateurliga vorbei waren (und der am Saisonende 1976 die höchste Amateurklasse endgültig verließ). Am Ende stand ein zufriedenstellender 8. Platz an, die große TSG war nur noch eine Liga weit entfernt.

Lediglich in der Sportplatzfrage war man noch meilenweit von der 2. Amateurliga weit ab vom Schuß. Der Platz an der Stadthalle glich eigentlich mehr einem Kartoffelacker, und bei Regen wurden regelrechte Schlammschlachten geschlagen.

Der achte Platz konnte in der Saison 1976/77 bestätigt werden. Mittlerweile wurde das Team vom früheren VfB-Torhüter Lorenz Fischer trainiert. Auch 1977/78 blieb die Klasse erhalten, wiewohl das Team erst zum Saisonendspurt aufwachte und sogar noch den 6. Platz belegte.

Das Jahr 1978/79 stand im Zeichen der großen Ligareform im Amateurfußball. Aus den beiden 1. Amateurligen Nordwürttemberg und Südwürttemberg wurde die Verbandsliga Württemberg, aus 5 Staffeln der 2. Amateurliga wurden 4 Staffeln der Landesliga, und die A-Klasse Rems/Murr wandelte sich in eine Bezirksliga Rems/Murr. Sportlich änderte sich in der Gerberstadt nicht viel. Die TSG Backnang als Aushängeschild trieb sich im Mittelfeld der Landesliga herum, die Grün-Weißen im selbigen der Bezirksliga.

Eine neue Ära brach für die Backnanger an. Die Stadt hatte endlich ein Einsehen und könnte sowohl den Grün-Weißen als auch den zahlreichen Leichtatheten eine geeignete und vor allem würdige Sportstätte. Das Karl-Euerle-Stadion, benannt nach dem damaligen ersten Bürgermeister, wurde im Sommer 1979 eingeweiht und dient seitdem der Viktoria als Heimat. Auch sportlich ging es nun unter Trainer Ernst Werner voran. Der Kader wurde sinnvoll verstärkt, und 1979/80 gehörten die Backnanger zu den ernsthaften Aufstiegskandidaten zur Landesliga. Letztendlich mußte man dem VfR Murrhardt den Vortritt lassen mußte, so konnte man mit 36 Punkten und einem hervorragenden 3. Platz erste Ansprüche geltend machen. Mit Freude registrierte man auch den Erfolg über Nachbar TSG beim Murrtal-Pokal in Steinbach.

Auch 1980/81 sprang ein dritter Platz in der Endabrechnung heraus, und 1982/83 scheiterte man diesmal nur knapp als Zweiter am Landesligaaufstieg, während Lokalrivale TSG Backnang den Sprung in die Verbandsliga schaffte. Zufrieden war man indes mit der Mitgliederentwicklung, übersprang man doch erstmals die magische Mitgliederzahl von 300.

1983 bis 1990: Höhenflug mit Ralf Rangnick


Mit einem richtigen Eigengewächs begann ein ungeahnter Höhenflug für Viktoria. Ralf Rangnick, der Jugend der Grün-Weißen entstammend, übernahm 1983 das Traineramt in der Jahnstraße. Vieles wurde anderes: erstmals wurde eine Stadionzeitung ausgelegt, tönten Lautsprecherdurchsagen durchs Stadion, wurden Fanartikel feilgeboten, mehr Sponsoren unterstützten den Club. Aber das wichtigste: Rangnick verschmolz "alte Hasen" und "Junge Hüpfer" zu einem sehr effektiven Team, das von Sieg zu Sieg eilte. Am drittletzten Spieltag war es soweit: der FC Viktoria Backnang stand nach einem 3:0-Sieg über Erbstetten als Bezirksligameister fest und konnte zum ersten Mal den Aufstieg in die Landesliga feiern.

Doch in der Landesliga hörte der Höhenflug längst nicht auf. Die Rangnick-Racker zogen auch als Neuling einsam ihre Kreise in den höheren Tabellenphären. Dies begann am ersten Spieltag mit einem 3:0-Heimsieg über den VfL Schorndorf und führte bereits fünf Spieltage vor Schluß zum sensationellen Durchmarsch vor Traditionsclub Union Böckingen. Ertmals begegneten sich beide Backnanger Fußballclubs in einer Spielklasse, und dann auch noch in der höchsten württembergischen Amateurliga.

Der Erfolg hatte auch einen Wermutstropfen. Der erst 26 Jahre alte Erfolgstrainer Ralf Rangnick wurde vom VfB Stuttgart entdeckt, wo er fortan die Amateure in der Oberliga trainierte. Seinen Spielerpaß hingegen behielten die Backnanger, wo er auch nach wie vor noch in der Verbandsliga antreten wollte, sofern es ihm die Zeit ermöglichen sollte. Mit Rangnick ging auch das 19-jährige Stürmertalent Eugen Gommel zu den VfB Amateuren, während als Nachfolger auf dem Chefsessel zunächst Roland Stampfl vom SV Allmersbach verpflichtet wurde.

Bereits am vierten Verbandsligaspieltag kam es zum prestigeträchtigem Derby unterm Viadukt. Die TSG behielt dabei vor 2.214 Zuschauern die Oberhand. Bohmwetsch brachte den Platzhirsch in der 67. Minute in Front, ehe Knierling durch einen verwandelten Foulelfmeter in der 85. Minute den Todesstoß gegen den kecken Neuling verhängte.

Desaster in Giengen - und überhaupt in der Verbandsliga
Zunächst mit viel Enthusiasmus und einem würdigen Zuschauerzuspruch gestartet (500-600 Zuschauer folgten zu Beginn den Heimspielen), machte sich doch sehr bald der graue Ligaalltag breit. Viktoria nistete sich recht schnell im Tabellenkeller ein, und die Trainerposten wechselten von Stampfl über  Wörner und Kalb zu Freudensprung. Rettung brachte keiner.

Beim TSB Schwäbisch Gmünd gab es wenigstens ein 0:0.

Bei den Kickers-Amateuren ein gewohntes 0:5.
Der Abstieg aus der Verbandsliga führte nicht zum Absturz. Hinter der SpVgg Renningen gab es in der Landesliga-Saison 1986/87 einen beachtlichen 2. Platz. Auch 1987/88 gab es den damals nutzlosen 2. Platz in der Landesliga, der TSV Eltingen zog ins württembergische Oberhaus ein.

Einen Höhepunkt brachte 1988/89 zunächst der WFV-Pokal. Im Achtelfinale unterlag man beim Nachbarn TSG mit 3:2 recht unglücklich. Als Ausgleich hielt man sich endlich in der Landesliga schadlos und konnte mit 8 Punkten Vorsprung vor dem VfL Schorndorf die vielumjubelte Rückkehr in die Verbandsliga feiern.

Diesmal versuchte man, sich länger einzunisten, was auch sehr gut gelang. Am 3. März 1990 wurde gar im Heimspiel die TSG Backnang mit 1:0 zum ersten mal in einem Punktspiel bezwungen, als Jimmy Carter den Ball in der 64. Minute im TSG-Tor versenkte.

In der Endtabelle blieb man hinter TSG Backnang, aber der 7. Platz war die bislang bester Platzierung. Die Mitgliederzahl überschritt die 400er Marke, und fortan nahm sich ein Förderverein die Viktoria zu Herzen.

Ab 1990: launisches Glück

Erhard Fischer, der das Traineramt von Helmut Loistl übernahm und zuvor die C-Jugend des VfB Stuttgart trainierte, sollte für die Saison 1990/91 den Vorjahresplatz wiederholen. Doch das Jahr, das zum großen Durchmarsch des Neulings TSF Ditzingen wurde, brachte schon bald einen Abstiegskampf in die Jahnstraße. Zunächst schien er überstanden zu sein, doch in der Schlußphase leistete man sich einen Schnitzer nach dem anderen, so daß am Ende mit 2 Punkten hinter Eltingen, dass durch den Aufstieg von Vizemeister Kickers Amateure die Klasse hielt, wieder in die Landesliga rückte. Ein kleiner Trost war der 2:1-Sieg über TSG im Etzwiesenstadion.

Harry Griesbeck
Der Aderlaß war groß. Jimmy Carter ging nach Besigheim, Udo Schairer zum VfL Kirchheim, Hermann zum FC Sonnenhof. Für den geschaßten Fischer folgte Harry Griesebeck ins Traineramt, der zuvor immerhin den VfR Heilbronn coachte. Zu den Aufstiegsfavoriten zählte der Absteiger jedoch nicht, und das zu Recht. Ein 4. Platz diente zur Konsolidierung und mußte unter diesen Umständen als Erfolg gewertet werden.

1992/93 bekam Viktoria wieder sein Derby. Die TSG, unter ähnlichen Umständen wie ein Jahr zuvor die Viktoria aus der Verbandsliga abgestiegen, gab wieder seine Visitenkarte im Karl-Euerle-Stadion ab, wo man sich 3:3 trennte.

In den folgenden Jahren machte man sich im vorderen Tabellendrittel breit, wobei man ab 1995 auf die Lokalderbys mit der TSG verzichten mußte, die in die Verbandsliga zurückkehrte. 1996 hätte man selber dorthin gelangen können, schwächelte allerdings zu Saisonende und rutschte schließlich auf Platz 3 ab.

Die Jubelfeiern zum 50. Geburtstag waren gerade erst verklungen, da knisterte es im Gebälk der Viktoria. Fast der gesamte Vorstand trat nicht zu Neuwahlen an und stürzte den Verein in eine tiefe Krise, und auch Trainer Wolf verließ schließlich die Grün-Weißen, die 1999 vor einem Scherbenhaufen standen. Erst im Mai 2000 konnte, nicht zuletzt unter dem Druck des Amtsgerichts, wieder ein ordentlicher Vorstand installiert werden. 

Dennoch folgte 2002 der Sturz in die Bezirksliga, aus der man sogar 2006 in die Kreisliga A abstieg. Bei seinen Anhängern hatte die Mannschaft ordentlich Kredit verspielt. Zwar gelang es postwendend, den Betriebsunfall Kreisliga zu korrigieren, jedoch dauerte es bis 2011, wieder in die Landesliga aufzusteigen. Es gab wieder die langvermissten Derbys mit der TSG, aber auch den sofortigen Wiederabstieg.

Seit 2014 hat man sich wieder in der Landesliga etabliert, wo man zuletzt Mittelfeldplätze belegte. An einer Rückkehr in die Verbandsliga ist in naher Zukunft wohl nicht zu rechnen. Der Verein hat andere Stärken, mitunter in seinem sozialen Engagement. 
Bei den Zuschauerzahlen hingegen rangiert man im Keller der Landesliga. Die Zuschauerzahlen im Fußball stagnieren in Backnang, auch beim Nachbar TSG.

Steckbrief

Fußball-Club Viktoria Backnang e.V.
Gegründet: 19. August 1948
Vereinsfarben: Grün-Weiß
Stadion: Karl-Euerle-Stadion, Jahnstraße
Sportarten: 1 (Fußball)



Erfolge
Meister Landesliga 1985, 1989
Meister Bezirksliga 1984, 2008, 2014

Bilanz der letzten Jahre:

Saison Liga Platz Pkt. T+
T- Zusch. WFV-Pokal Torjäger
2015/16 Landesliga 7. Platz 43 47 : 51 107 1. Runde Shaban Kaplani (10 T./17. Pl.)
2014/15 Landesliga 9. Platz 39 46 : 58 109 1. Runde Fatmir Sylaj (13 T./9. Pl.)
2013/14 Bezirksliga 1. Platz 66 70 : 37 k.A. k.T. Aljoscha Schäffner (24 T./2. Pl.)
2012/13 Bezirksliga 4. Platz 48 64 : 40 k.A. k.T. Shaban Kaplani (25 T./1. Pl.)
2011/12 Landesliga 15. Platz 27 43 : 81 137 2. Runde Aljoscha Schäffner (15 T./10. Pl.)
2010/11 Bezirksliga 1. Platz 76 100 : 26 k.A. k.T. Aljoscha Schäffner (30 T./1. Pl.)
2009/10 Bezirksliga 2. Platz 61 66 : 36 k.A. k.T. Shaban Kaplani (17 T./6. Pl.)
2008/09 Bezirksliga 3. Platz 53 66 : 33 k.A. k.T. Shaban Kaplani (11 T./14. Pl.)
2007/08 Bezirksliga 8. Platz 48 70 : 63 k.A. k.T. Felix Nothacker (27 T./1. Pl.)
2006/07 Kreisliga A 1. Platz 64 83 : 35 k.A. k.T. Felix Nothacker (28 T./1. Pl.)
2005/06 Bezirksliga 14. Platz 35 44 : 51 k.A. k.T. Felix Nothacker (12 T./14. Pl.)
2004/05 Bezirksliga 9. Platz 34 47 : 52 k.A. k.T. Felix Nothacker (12 T./11. Pl.)


Als Quellen wurden verwendet:
* "Von gestern bis heute. Die Geschichte des FC Viktoria Backnang 1948 - 2008"
* Verschiedene Württemberg-Bücher des Deutschen Sportclubs für Fußballstatistiken
* "Fußball in Baden-Württemberg", Band 1 und Band 2 (1978-1994)
* Die Kreisbeschreibungen des Kreises Backnang von 1959 und des Rems-Murr-Kreises von 1984
* Archiv des Verfassers